Der Nahe Osten nach den Wahlen
- Die Aussichten auf Frieden sind leider nicht gewachsen -
Sankt Augustin - Ganz aktuell war der Freundeskreis Mewasseret Zion
Sankt Augustin e.V.! 9 Tage nach den Parlamentswahlen in Israel
und nur 8 Wochen nach den Wahlen in den Autonomiegebieten gab es
in der Sankt Augustiner Stadtbücherei bereits eine Wahlanalyse
des Chefkorrespondenten und Nahost-Experten des Deutschen Auslandsrundfunks,
Peter Philipp.
1944 geboren, bereits mit 24 Jahren Korrespondent in Jerusalem,
23 Jahre lang Einwohner in Israel, konnte Peter Philipp mit Detail-Kenntnissen
von Situation und Mentalität sowohl der Israelis als auch der
Palästinenser aufwarten. Er zeichnete denn auch ein realistisches
Bild der aktuellen Lage: ohne Schönfärberei und Hoffnungsprophetie.
Auch wenn Ehud Olmert, amtierender Ministerpräsident Israels,
noch am Wahlabend seine Position zum Abzug der Israelis aus Teilen
der Westbank mit dem Angebot von Verhandlungen mit den Palästinensern
verband, ist dies nach Philipp kein tatsächliches Friedensangebot.
Denn Olmert weiß, dass Palästinenserpräsident Mahmut
Abbas den Rückzug aus Teilen der Westbank nicht akzeptieren
kann. Es müssten sich schon beide Seiten in ihrem Verhalten
ändern, um eine Situation zu schaffen, die Frieden bringt.
Die Hamas, die im palästinensischen Parlament stärkste
Fraktion wurde und mit absoluter Mehrheit die Regierung der Palästinenser
bilden konnte, müsste zunächst einmal das Existenzrecht
Israels und eine Zwei-Staaten-Lösung akzeptieren. Ob danach
auch das Oslo-Abkommen von 1993 anerkannt wird, wonach den Palästinensern
die autonome Herrschaft über ein Drittel des Westjordanlandes
zugesprochen wird, müsste in direkten Verhandlungen zwischen
Israel und der neuen palästinensischen Regierung ausgelotet
werden. Und auch die Israelis müssten Zugeständnisse machen:
z.B. bei der Erleichterung der Straßenkontrollen, der Korrektur
der Sicherheitszäune und Sicherheitsmauern und bei der Räumung
von weiteren Gebieten im Westjordanland. Doch diese Voraussetzungen
lassen sich mit den jetzigen Wahlergebnissen nicht erfüllen,
so Philipp.
Olmert nämlich steht vor schwierigen Koalitionsverhandlungen.
Die Kadima und die Arbeitspartei erreichten zusammen 48 der 120
Parlamentssitze. Beide müssen noch Koalitionspartner suchen,
um eine handlungsfähige Regierung zustande zu bringen. Laut
Philipp müsste ein Wunder geschehen, wenn die vierjährige
Parlamentsperiode durchgestanden werden soll. Und die Hamas hat
zu viele interne Probleme, um Kraft und Mut für entgegenkommende
Schritte aufzubringen.
Eines allerdings konnte Peter Philipp positiv rüberbringen:
Wer jetzt nach Israel reisen möchte, kann dies genauso guten
Gewissens planen wie eine Fahrt nach New York, Madrid oder London.
Was denn auch einige Anwesende beruhigte, die Ende April für
10 Tage den Norden Israels und Mewasseret Zion, die Partnerstadt
Sankt Augustins, kennen lernen möchten.

Peter Philipp und Anke Riefers,
die Vorsitzende des Freundeskreises Mewasseret Zion Sankt Augustin
e.V.,
vor interessiertem Publikum