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„Israel nach der Wahl – Ergebnisse und Perspektiven“

 

Der Vortrag von Peter Philipp, Chefkorrespondent der Deutschen Welle/Radio, zum Thema „Wahlen in Israel in schwieriger Lage – Ergebnisse und Perspektiven“ erreichte mit über 60 Besuchern ein sehr interessiertes Publikum. Denn gerade ging ein weiterer Krieg zu Ende, ohne dass sich eine nachhaltige Stabilisierung der Region abzeichnet.

Peter Philipp machte deutlich, dass das westliche Medieninteresse am Ergebnis der israelischen Parlamentswahlen andere Erwartungen hervorrufe als in Israel selbst: wünscht man sich hier nach dem Gaza-Krieg klare Perspektiven für einen Friedensprozess, so treten in Israel die Sorgen und Nöte des Alltags (Arbeitslosigkeit, Kindergeld) stärker in Erscheinung als das Ausbleiben des Friedens, denn man habe sich auf Grund der Grenzsicherungsanlagen und des dichten Netzes der Kontrollpunkte vorerst in der Situation eingerichtet. Aber – so Philipp – die vorläufige Grenzsicherung ist kein Frieden, und wirkliche Sicherheit gibt es nur durch Frieden, der allerdings erst in den Köpfen vorbreitet werden muss.

Das vorrangige Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich auch im Ausgang der Wahlen: der rechte Block – vornehmlich Kadima und Likud – gewinnt, der linksliberale Block verliert. Für das künftige politische Profil darf man aber auch den Einfluss der kleinen religiösen Parteien (Stichwort: Siedlungspolitik) nicht unterschätzen.

In Bezug auf eine Regierungsbildung, sei es unter Zipi Livni (Kadima -28 %) oder Benjamin Nethanjahu (Likud – 27 %), erwartet Peres Empfehlungen der Parteien, wie eine künftige, mehrheitsfähige Regierung aussehen könnte. Frühestens in drei Wochen ist dann mit einer Beauftragung zur Regierungsbildung zu rechnen.

Theoretisch vorstellbar wäre allerdings auch eine große Koalition zwischen Kadima, Likud und Arbeitspartei unter Berücksichtigung einer religiösen Splitterpartei, bezüglich der Besetzung des Amtes des Ministerpräsidenten wäre dann eine Rotation nach der Hälfte der Amtszeit (2 Jahre) vorzusehen.

Welche der denkbaren Varianten eine Mehrheit im Parlament finden wird, bleibt offen; offen bleibt damit auch die Frage, wie ein einheitliches Konzept auf Seiten Israels für einen Frieden aussehen könnte.

Kontrovers wurden auch die Rolle und der Einfluss des Palästinenser-Präsidenten Mahmut Abbas und die Tatsache des Neubaus weiterer Siedlungen im Westjordanland diskutiert.

Die Lösung des Nahostkonfliktes hat bei uns Vorrang, denn der Nahe Osten, als Nachbar Europas, stellt mit seiner Vielzahl von Konflikten einen nach wie vor gefährlichen Unruheherd dar.

Am Ziel einer Zweistaatenlösung, Israel und Palästina, muss festgehalten werden; denn der Konflikt um Palästina ist nur beizulegen, wenn gleichzeitig die anderen Probleme in der Region in Angriff genommen werden und die Interessen aller eingebunden sind.

Der Amtsantritt von Barack Obama bietet trotz allem die Chance eines Neubeginns im Nahen Osten.


Barbara Piéla-Jonda, Pressesprecherin
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